[an error occurred while processing this directive] Surfing The Wave - ein Traum wird wahr

Viele Jahre schien es nicht möglich, mit dem C64/C128 direkt im Internet zu surfen. Umso mehr Aufsehen erregte es, als im Juni 2000 die Meldung verbreitet werden konnte, dass 'The Wave' das erste Mal online war. Maurice Randall hat viel Arbeit investiert, um allen Commodore-Usern das Surfen im Internet zu ermöglichen.
 

von Torsten Baade

Entstehung von The Wave

Maurice Randall ist der Entwickler vieler nützlicher Programme und Erweiterungen, wie z.B. GeoFax, GeoShell und nicht zuletzt Wheels64/128. Die Idee, einen Webbrowser zu schreiben, liegt schon etwas weiter zurück. Ursprünglich sollte The Wave ein Browser für GEOS128 werden. Aber schon bald zeigte sich bei der Entwicklung, dass die Umgebung GEOS128 es einem Programmierer zu schwer macht, einen Browser zu schreiben. Also wurde es erst einmal Zeit, ein Update für GEOS zu programmieren. Entsprechende Veränderungen wurden in das GEOS-Update Wheels integriert, so dass es nun möglich war, das angefangene Projekt weiter zu führen bzw. neu zu beginnen. Sogar auf dem C64 war nun ein Webbrowser realisierbar. In einigen BBSs und PD-Sammlungen geistert immer noch ein öberbleibsel des ersten Versuchs, das 'WaveDemo'.

Und schon wurden nach relativ kurzer Zeit Betatester zusammen getrommelt und die COPS-Mailingliste zu einer Testreport-Mailingliste umfunktioniert. Dank umfangreicher Berichte von Maurice konnte jeder Abonnent der Liste die Fortschritte aus erster Hand verfolgen.

Weit mehr als 'nur' ein Browser

Jeder, der The Wave startet, wird auf der Oberfläche des Browsers empfangen. Wer nun denkt, The Wave wäre nur dazu da, um im Internet herum zu surfen, der irrt, es sind viel mehr Dinge im Programm - eigentlich im Programmpaket - integriert, als es zuerst den Anschein hat, z.B. findet man unter dem Menü 'open' die Menüpunkte 'application' und 'utility', mit deren Hilfe man eine Anwendung oder ein Desktop-Utility starten kann. Nach dem Beenden der Anwendung landet man nicht wieder auf dem Dashboard, sondern in The Wave, das die Funktion eines Dasboard-Ersatzes erfüllt. Dies macht zwar im Moment noch recht wenig Sinn, ist doch das Dashboard viel anwendungsfreundlicher. Denkt man aber an die geplanten Erweiterungen von The Wave, auf die weiter unten noch eingegangen werden soll, sieht man schnell die Vorteile.

Ein weiterer bemerkenswerter Menüpunkt ist 'open new terminal'. Damit wird in den Terminalmodus gewechselt, man kann nun entweder eine ganz normale Verbindung zu einer Mailbox aufbauen (open BBS directory), wie man es auch mit z.B. Novaterm tun könnte. Die Funktionsvielfalt des Terminalmodus ist zwar noch nicht so groß wie bei Novaterm, jedoch kann The Wave Novaterm fast vollständig ersetzen. Die fehlende Scriptunterstützung, Z-Modem-Protokoll für Dateitransfers und Funktionstastenbelegung sollen noch implementiert werden.

Aber das Wichtigste an The Wave ist doch der integrierte TCP/IP-Stack und die Möglichkeit, PPP-Verbindungen mit anderen Rechnern herzustellen. Damit ist es möglich, jeden beliebigen Internet-Provider (ISP) zu nutzen und sich in andere Internet-Rechner einzuwählen. Vom Terminal aus kann man dies z.B. durch den integrierten TELNET-Client bewerkstelligen. Diesen startet man im Menü 'open' mit 'open internet session'. Die folgende Auswahlbox zeigt auch gleich an, was in einer zukünftigen Version von The Wave noch integriert werden soll: ein IRC-Client, um mit Leuten weltweit im Internet chatten zu können, und ein FTP-Client zum Daten- und Programmtransfer mit einem Internet-Rechner. Derzeit lässt sich nur TELNET starten, um sich in andere Internet-Rechner einzuwählen und dort z.B. ein anderes Programm zum Email-Lesen zu starten. Voraussetzung dazu ist der Account bei einem Internetrechner mit dazu gehörigem Login und einem Passwort. Es gibt aber auch ein paar Server, die Gastzugänge bereitstellen.

Der Browser

Aber auch der Browser kann mehr als nur Webseiten anzeigen und im Web herumsurfen. Z.B. ist er in der Lage, GeoWrite-Dokumente darzustellen, die Datei START64.html - die Startseite, die beim Start von The Wave angezeigt wird - ist eigentlich ein GeoWrite-Dokument und kann auch mit diesem verändert werden.

Aber auch normale Textdateien können angezeigt werden, sowohl ASCII-Texte, die z.B. vom PC kommen, als auch PETSCII-Texte (von Commodore-Rechnern außer Amiga).

Doch die Hauptaufgabe des Browsers ist das Darstellen von Webseiten. Und dies beherrscht er mit Bravour. Werden unterschiedliche Schriftarten auf einer Seite verwendet, so kann The Wave diese auch darstellen, solange die Schriftarten vorrätig und in der Datei 'fontlist' definiert sind. Wem die beiden mitgelieferten Schriftarten nicht ausreichen, der kann sich neue Schriftarten von Geoff Sullivans Webseite auf

http://www.gis.net/~sunfish/tcr/cbm/cbmfiles/wavefonts/

herunterladen, derzeit gibt es dort zusätzlich die Schriftarten 'Arial' und 'buttons', und die Anzahl wird bestimmt noch wachsen.

Alle diese Schriften werden vom Browser so gerendert, wie es auf der Webseite vorgesehen ist: kleiner oder größer, fett oder kursiv, Text zentriert, links- oder rechtsbündig, bis auf wenige Ausnahmen wird alles korrekt dargestellt. Und auch mit Tabellen kann der Browser umgehen. Und auch wenn eine farbige Darstellung von Webseiten (noch) nicht möglich ist, so kann der Wave-User doch die allermeisten Webseiten besuchen und in einer erstaunlichen Qualität anschauen. Der dargestellte Bildbereich entspricht dabei in etwa einem 800*600 Pixel großen Bild auf einem PC. Trotzdem passiert es manchmal, dass die angezeigte Seite leer bleibt...

Da fehlt doch was?

Es gibt ein paar Sachen, mit denen The Wave noch nicht umgehen kann. Webseiten, auf denen sogenannte Forms dargestellt werden (Felder, die zur Eingabe von Texten oder Informationen dienen, z.B. bei Suchmaschinen), werden unter Umständen nicht korrekt dargestellt. Auch die Eingabe von Texten/Suchbegriffen funktioniert noch nicht. Das soll aber nicht so bleiben, die wesentlichen Routinen sind bereits in The Wave integriert und finden z.B. im URL-Bar-Editor (der wird zur direkten Eingabe von Webadressen benutzt) Verwendung. In einer kommenden Version wird also das Benutzen von Suchmaschinen und das Ausfüllen von Formularen kein Problem mehr sein.

Auch mit 'Frames' kann The Wave noch nicht umgehen. Frames sind eine kleine Unart im Internet und dienen dazu, den Inhalt von mehreren Webseiten auf einer einzigen Seite in jeweils eigenen 'Rahmen' anzuzeigen. Wenn man so will, handelt es sich bei einer Frames-Seite um eine Tabelle, und in jedem Tabellenfeld erscheint eine ganze Webseite. Zum Glück nimmt die Anzahl der Webseiten, die Frames benutzen, ab. Kommt man doch einmal auf eine Seite, auf der nichts angezeigt wird (oder der Hinweis, dass man doch einen Browser mit Frames-Fähigkeit benutzen solle), so kann man sich trotzdem helfen: Wenn man den Menüpunkt 'view source' anwählt, wird der Quelltext der Webseite angezeigt. Wenn man sich durch die Anweisungen hindurch arbeitet, findet man auch die Adressen der Seiten, die in den Rahmen eingeblendet werden sollen. Diese Adresse kann man nun in den ULR-Bar-Editor direkt eingeben und landet zumindest auf einer der Seiten. Um die richtige 'Hauptseite' zu finden, muss man etwas experimentieren.

Aber keine Angst, auch das Anzeigen von Webseiten mit Frames soll in einer zukünftigen Version möglich sein. Auch hier sind einige der Basisroutinen bereits in The Wave integriert. Wenn alles so läuft, wie es sich der Entwickler verspricht, können bis zu 16 (!) Frames auf einer einzigen Seite dargestellt werden.

Auch auf Bilder muss man derzeit noch verzichten. Es gibt verschiedene öberlegungen, wie die Bilder auf einer Webseite mit eingebunden werden können. Die Darstellung einer Seite auf dem C64/C128-Bildschirm mit farbigen Bildern scheint fast ausgeschlossen zu sein. Der Aufwand wäre zu groß und wegen der eingeschränkten Farbanzahl und Bildschirmauflösung das Ergebnis wohl eher unbrauchbar, schließlich soll der dargestellte Text stets gut lesbar bleiben. Es gibt aber öberlegungen, die Bilder eventuell als Schwarz-Weiß-Bilder darzustellen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, evtl. separate JPG- und GIF- Betrachter in The Wave zu integrieren (z.B. ein modifiziertes JPZ von Steve Judd und Adrian Gonzalez), ein Klick auf das Schwarz-Weiß-Bild könnte den Betrachter starten und das Bild (losgelöst von der Webseite) anzeigen. Welche Methode letztendlich in The Wave eingebaut werden wird, steht noch nicht fest, lassen wir uns also überraschen. öbrigens gibt es auch öberlegungen, evtl. die Darstellung von GEOS-Photoscraps auf Webseiten zu ermöglichen. C64-Freaks könnten also spezielle Webseiten erstellen, die (vorerst, bis für PC-Browser ein 'Plug-In' entwickelt wurde) nur von The Wave korrekt und mit allen Inhalten dargestellt werden könnten.

[Mehr vom Artikel sowie eine detaillierte Anleitung wie man mit The Wave ins Ethernet kommt gibt es in der GO64!]

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